Diskussionsveranstaltung über die Zukunft der Linken

… und über die  MLPD/Internationalistische Liste
am Mittwoch den 19.07 um 19  Uhr im Falkenheim Ludwigstr. 42 in Lingen
mit Lisa Gärtner und Anna Vöhringer

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In den meisten kreisen,auch in Linken, wird die Partei MLPD überwiegend belächelt und als eine orthodoxe, zurückgebliebene Marxistisch-Leninistische Partei wahrgenommen. Zudem gilt sie in vielen Kreisen als eine kleine Politsekte, die sich im Gegensatz zu dem größten Teil der Linken, noch auf Stalin’s und Mao’s Theorien berufen und das scheint für viele schon Grund genug zu sein, sich lieber Fern von ihnen zu halten.

Naja, wir haben es nicht gemacht und sind jetzt in der Sekte natürlich hart eingebunden und fungieren bedingungslos für das ZK als Marionetten ;)

Natürlich nicht, wir sind mit ihnen bestimmt auch jetzt nicht immer in theoretischen Dingen auf dem gleichen Nenner, aber wir halten die Betrachtungsweise und Isolierung dieser Partei trotzdem für nicht ganz angebracht, gerade erst wenn man sich ihr Tun und Handeln etwas genauer anschaut.

Gerade ihr solidarisches Verhalten gegenüber der kurdischen Befreiungsbewegung, hat unser Interesse an ihnen geweckt. Im Juni bis zum November 2015 bauten sie mit ihrer Internationalen Organisation ICOR ein Gesundheitszentrum in Kobane auf.

In diesem Kontext lernten wir sie auf einer Veranstaltung mit Salih Müslim, Co-Vorsitzender der kurdischen Partei PYD, ein bisschen genauer kennen.

Also fangen wir mal an unsere bis jetzt gemachten Eindrücke mit der Partei mit den typischen Vorwürfen gegen diese Organisation zu verarbeiten.

Beginnen wir damit ob diese Partei eine Sekte sei.

Grundlegend stört es diese Partei, als Sekte bezeichnet zu werden. Sie haben sogar gegen einen Autoren erfolglos geklagt, der sie als Sekte betitelte.

Wir müssen híerbei ihnen auch sagen:

MLPD, ihr seid wirklich eine Sekte. Aber ganz ehrlich, habt ihr euch schon mal gefragt was eine Sekte ist?

Schauen wir uns mal die Definition im Duden an, hier gibt es zwei Definitionen:

  1. (meist abwertend) kleinere Gemeinschaft, die in meist radikaler, einseitiger Weise bestimmte Ideologien oder religionsähnliche Grundsätze vertritt, die nicht den ethischen Grundwerten der Gesellschaft entsprechen
  2. (veraltend) kleinere Glaubensgemeinschaft, die sich von einer größeren Religionsgemeinschaft, einer Kirche abgespalten hat, weil sie andere Positionen als die ursprüngliche Gemeinschaft betont, hervorhebt

…ja, was sagt uns das eigentlich?

In diesem Fall, dass die kapitalistische Ideologie und die dazugehörigen Werte der Gesellschaft, welche zu Krieg und Armut führen nicht von dieser Partei geteilt werden, sondern in diesem Falle der Kommunismus, bei dem es darum geht eine Gerechte und Bedürfnisorientierte Gesellschaft zu schaffen, und das verfolgt diese Partei wohl sehr energisch, oder wie es hier ausgedrückt wird, sehr „radikal“.

Also jetzt mal ehrlich, wenn man das mal so betrachtet, kommt mir das aufs erste irgendwie nicht sehr Negativ vor sondern da kommt mir eher dieser Song von Sido „Alles ist die Sekte“ in den Kopf.

Naja gehen wir zum zweiten Punkt, der Begriff wurde also damals von der Kirche hauptsächlich für unliebsame Abspaltungen von der Kirche genutzt, um diese zu diffamieren.

Nach meinen Wissen galt zum Beispiel in der Reformationszeit, die Evangelische Kirche offiziell auch als Sekte.

Hier haben wir also den Fall, das dieser Begriff also schon traditionell zur Diffamierung unliebsamer Gruppen benutzt wird.

Da der Begriff somit schon traditionell negativ besetzt ist, scheint es nicht verwunderlich das uns in jungen Jahren schon in der Schule bei gebracht wird, sich besser von Sekten fern zu halten, deshalb wird vielen Angst und Bange wenn sie hören, das eine Organisation eine Sekte ist.

Da gerade aber der Verfassungschutz diese Gruppe als Sekte diffamiert, müsste es gerade uns Linken skeptisch und hellhörig machen. Warum möchte der Verfassungsschutz diese Gruppe auf’s gröbste diffamieren?

Und hier, wo wir uns als eigentlich eher antiautoritäre Gruppe verstehen denke ich,wird uns ein Zitat von Mao weiter helfen:

“Ich bin der Meinung, daß es für uns – sei es für den einzelnen, für eine Partei, eine Armee oder eine Schule – schlecht ist, wenn der Feind nicht gegen uns Front macht, denn in diesem Fall würde es doch bedeuten, daß wir mit dem Feind unter einer Decke steckten. Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn uns der Feind energisch entgegentritt, uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten läßt, dann ist das noch besser; denn es zeugt davon, daß wir nicht nur zwischen uns und dem Feind eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern daß unsere Arbeit auch glänzende Erfolge gezeitigt hat.”

Gerade der Punkt, mit der Arbeit, die glänzende Erfolge gezeigt haben, trifft bei der MLPD zu.

Wie schon vorher erwähnt, war die Internationale solidarische Aktion, des Baues eines Gesundheitszentrum in Kobane, eine große Sache und dazu muss man sagen, das ist nicht der einzige soziale Bau, welche diese Partei für Internationale Bewegungen gemacht hat und noch macht. Also kurz gesagt, sie machen starke Internationale Revolutionäre Arbeit.

In der Flüchtlingsarbeit setzen sie sich ebenso energisch für Betroffene ein. Hierbei bauen sie sogar zur Zeit eine Geflüchteten Unterkunft in Tuckental. Aber als größtes Beispiel für ihren energischen Kampf für sozialere Bedingungen ist ihre Spezialität,die Arbeitskämpfe, zu nennen.

Erst einmal besitzen sie einen riesigen Anteil von Arbeitern in ihren Reihen, nämlich 80% und alleine deswegen schon, machen sie sich zu einem kleinen Heiligtum innerhalb der Linken. Gerade diese Arbeiter waren es überwiegend, die als treibende Kräfte innerhalb des damaligen Opel Streikes erbarmungslos für die Arbeiter eintraten, dass sie das bei einigen Konzernen mit Herzblut immer noch praktizieren und eifrig Betriebsgruppen aufbauen, kann man mal gern auf ihrer Seite nach lesen oder auch gern auf anderen Seiten recherchieren.

Ein eher aus der Antideutschen Ecke kommender Freund von den Falken erzählte mir hierzu auch vor kurzem, dass er mit bekommen hat, das beim DGB einige sehr gerne mal die Dienste von MLPD’lern in Anspruch nehmen, da sie sich am Zuverlässigsten erwiesen, aber die meisten wollen hierbei lieber öffentlich nicht in Verbindung mit der MLPD gebracht werden.

Sowas ähnliches habe ich in Münster ebenso erlebt, wo ich diese Partei noch nicht so gut kannte und ich ebenso eher ablehnend gegenüber ihnen war. So hatte bei einem treffen einer Kurdengruppe, ein Professor sehr gern die Dienste eines MLPD’ler angenommen, wollte aber bloß nicht mit seinem Namen in Verbindung mit der MLPD gebracht werden, was diese, so wie in den anderen Fällen, respektierten. Naja, wir als eine Gruppe die teilweise aus ehemaligen Straßenpunks besteht, und somit sowieso schon immer einen Fick darauf gegeben haben, was so der durchschnitt von irgendwelchen Leuten denkt, ist so ein Verhalten irgendwie zuwider und da der Schwerpunkt, wie Rosa Luxemburg schon sagte:“Du wirst nicht danach beurteilt, was du sagst, sondern was du tust.“ bei uns liegt, möchten wir einen öffentlichen Diskurs mit ihnen anregen, um gerade das was die Theorie angeht, gewisse Dinge besser auszudifferenzieren.

Deshalb kommen wir jetzt zu dem Thema Stalin und Mao.

In diesem Bezug geben sie zu das Fehler passiert sind, aber trotz dessen möchten sie diese nicht von der Klassikerreihe streichen. Wir denken das im Theoretischen bestimmt auch lehrreiche Dinge bei Mao und Stalin zu finden sind und da wird es interessant was die MLPD davon vertritt. Im praktischen Verhalten von Stalin sagen sie, das ohne die harte Industrialisierung , es niemals möglich gewesen wäre genügend Waffen zu produzieren, um den Hitlerfaschismus zu besiegen, gerade das harte vorgehen von Stalin, sagen sie, hat überhaupt den Genickbruch des Faschismus in Stalingrad ermöglicht. Hört sich jedenfalls sehr plausibel an, aber wir denken das dieses nicht die ganzen Verbrechen, die in der Sowjetunion rechtfertigen und hierbei möchten wir in der Diskussionsveranstaltung noch mal näher darauf eingehen. Trotz dessen haben wir schon den Anspruch die Geschichte von Mao und Stalin differenzierter auszuarbeiten als es hauptsächlich in bürgerlichen Analysen getätigt wird, wo von vornherein Mao und Stalin als die großen Arschlöcher gelten. Gerade wenn man sich die bürgerlichen Analysen zum Faschismus anschaut, die einfach nur die KZ’s zeigen und Demokratie und Faschismus direkt als etwas gegensätzliches darstellen, obwohl Hitler ja demokratisch gewählt wurde, kann man diese Analysen zur Aufklärung sowieso vergessen, denn sie erklären bestimmt nicht was eigentlich da damals passiert ist und wie es zu den ganzen Grausamkeiten kam. Hier möchten wir aber nicht zu viel vorweg nehmen, da dieses noch Thema auf der Veranstaltung sein wird und es hinterher noch einen differenzierten Bericht dazu geben wird.

Trotz dessen können wir aber jetzt schon sagen, dass selbst wenn sie autoritäres durchgreifen von Stalin verteidigen, ist uns bei ihnen eher eine demokratische und teilweise schon Konsensorientierte Struktur aufgefallen, welche irgendwie mit diesem denken von hart militärisch autoritär organisierten Stalinisten überhaupt nicht konform geht. Innerhalb ihrer Struktur besteht jedenfalls eine sehr gesunde Zusammensetzung ihrer Mitglieder. Es gibt einen großen Frauenanteil von bis zu fast 50% und der hohe Migrantenanteil lässt sich auch sehen. Die Leitung der Partei ist zudem eher matriarchal, denn Leitungspositionen werden überwiegend von Frauen getätigt und das begrüßen wir.

Die MLPD bleibt bestimmt eine kontroverse Partei und es benötigt somit ganz klar eine Diskussion die sich auch mit Ethik auseinandersetzt, aber da gerade ihr Programm, das führen der Bedingungslosen Selbstkritik, gilt es zu bereichern und vielleicht kann man von ihnen noch einiges Lernen um auch das in der Diskussion anstehende Thema “Zukunft der Linken” zu spezifizieren. Grundlegend gilt, wie schon Rosa Luxemburg sagte:“Selbstkritik, rücksichtslose, grausame, bis auf den Grund der Dinge gehende Selbstkritik ist Lebensluft und Lebenslicht in der proletarischen Bewegung.“ und somit freuen wir uns, in dem Bewusstsein das wir alle eine egalitäre und Bedürfnisorientierte Gesellschaft für alle anstreben,  auf die Diskussionsveranstaltung mit Lisa Gärtner und Anna Vöhringer am Mittwoch den 19.07 um 19 Uhr im Falkenheim Ludwigstr. 42  in Lingen